Paper Art
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Die
Jubiläumsausstellung in der Basler Papiermühle, 2005
Papier in Form von Zeitungen, Schreib- und
Zeichenmaterial, Verpackungen usw. ist ein den Händen und Augen
vertrautes Alltagsmaterial. Wir nehmen es vor allem in dienender
Funktion wahr, als Bedruck- und Beschreibstoff, als Informations- Werbe-
und Wertträger, als Hygiene- und Verpackungsmaterial, das ohne Bedenken
nach der Benützung weggeworfen oder recycelt wird. Vielseitigkeit und
Dauerhaftigkeit prädestinieren das Papier als Stoff mit langer
kulturgeschichtlicher Tradition, seine Formbarkeit und Natürlichkeit
inspirieren und machen das Papier zum idealen Material für
ambitioniertes Gestalten. So entstand die „Paper Art“. Alte Strukturen
wurden überwunden und neue Denkmuster und Stilarten sowie neue
Arbeitsformen kreiert. Das Medium Papier befreit sich aus seiner
dienenden, passiven Rolle. Es ist nicht mehr länger dienendes
Trägermedium für Bild und Schrift, es ist autonomes Sprachmittel, in
seiner Stofflichkeit und Materialität thematisiert. Papier wird dem
gewöhnlichen Zweck und Nutzen entzogen und wird als selbständiges
Objekt, gestaltetes Kunstobjekt, zur Darstellung gebracht.
Der Kunstwettbewerb
Im Vorstand der Schweizer Papierhistoriker kursierte
schon seit etlichen Jahren die Idee, sich nach aussen mehr zu öffnen und
zum Beispiel eine Ausstellung über den Werkstoff Papier auf irgend eine
Art und Weise zu machen. Das 25-jährige Jubiläum des Schweizerischen
Museums für Papier, Schrift und Druck in Basel und das Gedenken an Ts‘ai
Lun vor 1900 Jahren war nun Anlass genug, diese Idee zu realisieren.
Sponsoren
Zuerst galt es Sponsoren für das Projekt zu finden. Von
den 80 angeschriebenen Firmen konnten die Nachstehenden als Sponsoren
gewonnen werden: Hauptsponsor ist die Fa. F. Hoffmann-La Roche, Basel,
die zur Erinnerung an den legendären Typographen Jan Tschichold den 1.
Preis in der Höhe von CHF 5‘000.- spendet. Den 2. Preis in Höhe von CHF
2‘000.- verdanken wir der Fa. Ziegler Papier AG, Grellingen. Den 3.
Preis spendet mit CHF 1‘000.- die Perlen Papier AG, Perlen. Weiter
Sponsoren sind die Papierfabriken Cham und Utzensdorf sowie die Firmen
Omya, Oftringen und Pawatech aus Zug. Selbstverständlich sind auch die
Mitglieder der Schweizer Papierhistoriker gerne eingeladen, diesen
Anlass ideell, materiell oder finanziell zu unterstützen.
Künstler
Zum Wettbewerb wurden 150 Künstler eingeladen, die sich
mit der „Paper Art“ beschäftigen. 72 namhafte und teils weltbekannte
Künstlerinnen und Künstler aus 11 Nationen haben sich zur Teilnahme
angemeldet. Eingereicht werden, gemäss den Anmeldungen, alle Techniken
der bildenden Kunst mit und aus dem Medium Papier, Bilder, Wandobjekte,
Installationen und dreidimensionale Werke aus den Jahren 2004/2005, die
teils speziell für diesen Wettbewerb kreiert wurden.
Jury
Für die Jurierung konnte ein kompetentes Fachgremium
gewonnen werden. Unter dem Vorsitz unseres Vizepräsidenten Hanspeter
Leibold präsentierte sich die Jury wie folgt: Prof. Dr. Wilhelm
Kufferath von Kendenich, Kunsttheoretiker und Philosoph Sandra Meury,
Marketingleiterin Beat Schenk, Typograph Letizia Schubiger,
Kunsthistorikerin und Walter Vonarburg, Verkaufsleiter. Die Besucher des
Museums konnten vom 20. August bis 1. Oktober 2005 selbst eine Bewertung
der Kunstwerke vornehmen und das Resultat in eine Urne werfen. Die
Auswertung der Besucherstimmen zählte bei der Preisverteilung als 7.
Jurystimme.
Ausstellung
Die Ausstellung der Werke erfolgte vom 20. August bis 31.
Dezember 2005, in Form einer Integration in die verschiedenen
Ausstellungsräume und historischen Werkstätten des Schweizerischen
Museums für Papier, Schrift und Druck in Basel. Die öffentliche
Vernissage fand am Samstag, den 20. August 2005 im Schöpfraum des
Museums statt. Aufgrund des Erfolgs der Ausstellung wurde sie bis zum
29. Januar 2006 verlängert. In dieser Zewit haben über 15'000 Personen
die Ausstellung besucht.
Preisverteilung
Die Preisverleihung erfolgte innerhalb des Programms der
Tagung der Schweizer Papierhistoriker am Samstag, den 8. Oktober 2005 um
17:00 Uhr im Museum. Mit diesem Wettbewerb und der Ausstellung, die in
dieser Form erstmals in der Schweiz und in Europa durchgeführt wurde,
und einen hervorragenden Überblick über das derzeitige Kunstschaffen der
Papierkünstler in Europa zeigt, wollten sich die Schweizer
Papierhistoriker in der Öffentlichkeit präsentieren. Die modernen
Papierkunstwerke, ausgestellt in der historischen Papierwelt des Basler
Museums, zeigen den universellen Werkstoff Papier in kreativster Form,
der „Paper Art“. Zwischen Geschichte und Gegenwart scheinen Welten zu
liegen und doch handelt es sich um ein und denselben Werkstoff Papier,
der seit Jahrhunderten nichts an Faszination eingebüsst hat, wie zu
sehen ist.