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Echt oder falsch? Operation Bernhard, 70 Jahre danach

von Martin Fürbach

sph-Kontakte Nr. 102 | Juni 2016

Abb. 1: Englische 5-Pfund-Note in Auf- und Durchlicht.

Der erste Teil dieses Artikels über die sogenannte Operation Bernhard (in den SPH-Kontakten 100) befasste sich vor allem mit den historischen Aspekten dieser grössten Geldfälschungsaktion aller Zeiten. Der zweite Teil befasst sich nun vor allem mit den Möglichkeiten der Analyse der vorgelegten Banknoten. Wie lässt sich heute ermitteln, ob sie echt oder gefälscht sind?

Auch wenn die im Zuge der Operation Bernhard zustande gekommenen Blüten nur einige Jahre zirkulierten, ist das tatsächliche Ausmass der Fälschungen selbst Jahre nach dem Krieg nicht vollumfänglich bekannt. Zahlreiche Untersuchungen in der Nachkriegszeit, auf die bereits im ersten Teil ausführlich eingegangen wurde, führten lediglich zu einer partiellen Klärung der Fertigungsweise und einiger Charakteristika der gefälschten Banknoten. Viele Informationen blieben auch Jahrzehnte nach dem Krieg geheim, und ein Teil der Berichte wird noch immer als vertraulich eingestuft und also für die Öffentlichkeit unzugänglich aufbewahrt. Erste Informationen über die Operation Bernhard sickerten dank der Häftlinge aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen durch, publik gemacht von Journalis­ten, die mit den Untersuchungsberichten arbeiteten, und später dank der Sammler der Banknoten.

Adolf Burger, einer der beteiligten Häftlinge und Autor des ersten Buchs zum Thema Operation Bernhard, gab nur wenige Details bekannt: «Eine genaue Beschreibung der Fertigung kann nicht Bestandteil dieses Buches sein, weil dieses Buch für die Veröffentlichung vorgesehen ist … und das gleiche kann man über die Möglichkeit der Unterscheidung echter und gefälschter Banknoten sagen.» (Burger 1945). Burger gab seine Informationen gleich in den ersten Tagen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an die Polizei weiter, und wir können nur darüber spekulieren, ob er hier nun aus Vorsicht nichts Genaueres mitteilt, oder ob die Polizei ihn ersuchte, Details geheim zu halten. Bücher anderer Autoren, einschliesslich derjenigen anderer Häftlinge aus dem Konzentrationslager, widmen sich mehr den persönlichen und historischen als den technischen Aspekten. Eine Ausnahme ist Bryan Burke, der in seinem Buch vor allem auf die Unterscheidung von echten und gefälschten Banknoten eingeht (Burke 1987). Leider wurden immer mehr Kriterien, die Burke als «sichere Merkmale» zum Erkennen von Fälschungen bezeichnete, von anderen Banknoten-Sammlern im Laufe der Zeit eher als «unsichere» eingestuft. Wenn im Folgenden untersucht wird, wie sich die echten Banknoten von Blüten unterscheiden lassen, dann werden nur die Merkmale analysiert und diskutiert, die auch öffentlich als relevante Kriterien bekannt sind. Man kann davon ausgehen, dass die Bank of England über weitere Informationen verfügt, zum Beispiel in Bezug auf die Verwendung geheimer Zeichen oder Seriennummern. So stehen der Bank auch Listen aller Seriennummern der echten Banknoten zur Verfügung, die noch immer im Umlauf sind (Byatt, 1994).

Nennwerte der gefälschten Banknoten

Nicht alle Nennwerte wurden in dem gleichen Umfang gefälscht (Sém 1981, Malkin 2006). Den grössten Teil des Falschgelds machten 5-Pfund-Noten aus. Ob auch Banknoten mit einem Nennwert von 100 Pfund Sterling gedruckt und verteilt wurden, wie z.B. Poddi erwähnt (REF), ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Sicher ist zwar, dass Druckplatten mit dem Nennwert von 100 Pfund Sterling hergestellt wurden, doch weiss man nicht, ob damit auch Noten gedruckt wurden und, falls ja, ob diese Banknoten in Umlauf gerieten. Es wäre auch möglich, dass diese Banknoten gedruckt, aber nicht verwendet wurden – viele Quellen geben an, dass Banknoten mit hohem Nennwert nicht beliebt waren und die Herstellung sich auf die niedrigsten Nennwerte konzentrierte.

Seriennummern und andere Identifikatoren

Jede Banknote ist mit fünf grundlegenden Angaben versehen, durch die sie sich identifizieren lässt (vgl. Abb. 1): Ort der Ausgabe, Unterschrift des Schatzmeisters, Datum der Ausgabe, Präfix (der Serien­nummer) und Seriennummer. Der Häftling Stein führte ein geheimes Tagebuch, sodass bereits in den ersten Berichten nach dem Krieg (vgl. zum Beispiel McNally 1946) eine Liste der gefälschten Präfixe von Banknoten aufgeführt werden konnte. Auch wenn diese Liste nicht vollständig sein muss, so ist doch die Tatsache, dass eine untersuchte Banknote eine Seriennummer aufweist, die gefälscht wurde, ein Indiz dafür, dass diese Banknote gefälscht sein kann. Die Sammler der Banknoten tauschen ­Informationen über Seriennummern aus. Die bekannteste Liste ist auf der Homepage von West (REF) zu finden.

Papier

Die Charakteristika des Papiers waren die ersten Merkmale der Blüten, die diskutiert wurden. Zum Beispiel gibt Sém an, dass das Papier der Fälschungen harter, glänzender und heller sei als dasjenige der Originale (REF). Welche Möglichkeiten hat die gegenwärtige Kriminalistik, das Papier zu untersuchen?

Physikalische und optische Eigenschaften des Papiers

Die physikalischen Charakteristika des Papiers sind mit einfachen, zerstörungsfreien Analysen messbar; sie eröffnen daher der gegenwärtigen Forschung den vielversprechendsten Weg. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass das damalige handgeschöpfte Banknotenpapier von heutigen Qualitätsstandards weit entfernt ist: Weder die Stärke noch das Flächengewicht oder die Grösse waren stabil.

Verschiedene Quellen berichten, dass sich unter ultraviolettem Licht  das Papier der Fälschungen vom Papier echter Banknoten unterscheiden lasse. Leider haben die auf diese Weise ermittelten Informationen heutzutage weniger Aussagekraft als in der Vergangenheit – vor allem wenn die Banknoten dem Sonnenlicht ausgesetzt waren. Einige Banknoten tragen zudem auf ihrer Rückseite Rückstände, die andeuten, dass die Banknoten untergeklebt wurden. Sie könnten als Dekoration verwendet worden sein, wie es heute noch in Restaurants in der Toplitzsee-Region vorkommt; es könnte sich aber auch um die Folgen einer Kontamination handeln. Auch Einwirkunrgn von Bakterien und von Wasser mit hohem Schwefelgehalt wie im Toplitzsee können die optischen Eigenschaften des Papiers verändern.

Orientierung der Fasern

Wie schon im ersten Teil des Beitrags erwähnt, ist es nicht klar, ob das für die Fälschungen verwendete Papier handgeschöpft oder maschinell hergestellt wurde. Die Fasern der untersuchten Banknoten weisen keine spezifische Richtung auf. Dies kann sowohl bedeuten, dass das Papier handgeschöpft ist, wie auch, dass es auf einer sehr langsam laufenden Maschine hergestellt wurde.

Einige Quellen weisen darauf hin, dass die Bank of England der These anhing, dass die Fälschungen auf Papiermaschinen hergestellt wurden – darauf deutet zum Beispiel die Unterredung zwischen der Bank of England und der Papierfabrik Portals hin: «Ich empfehle, ein kleines Stück Papier aus einer echten und einer gefälschten Banknote herauszuschneiden. Diese Stücke werden dann auf die Wasseroberfläche gelegt. Das handgeschöpfte Papier bleibt flach, da hier keine Spannungen in einer bestimmten Richtung auftreten; dagegen würden Fälschungen, die maschinell hergestellt wurden, dazu neigen sich zu wellen …» (Byatt 1994). Weiter heisst es: «Ist meine Theorie richtig, biegen sich die Stücke aus echten Banknoten nicht, im Unterschied zu den gefälschten.» Der letzte Abschnitt kann auch so gedeutet werden, dass dieses Unterscheidungsmerkmal nicht auf Beobachtungen an Bernhard-Fälschungen beruht, sondern von einem generellen Unterschied zwischen Hand- und Maschinenpapier abgeleitet wurde (unterstellend, dass das Papier der Fälschungen auf einer Papiermaschine gemacht wurde). Mit anderen Worten: Diese Stelle kann nicht als Beleg dafür heran­gezogen werden, dass die ­Fälschungen aus Maschinen­papier hergestellt wurden, wie es oft geschieht. Fer­ner ist darauf hinzuweisen, dass in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs nicht nur die Operation Bernhard, sondern auch die Operation Andreas Pfund-Noten fälschte und es möglich ist, dass sich das Papier-Herstellungsverfahren geändert hatte.

Die Untersuchung der Faserausrichtung ist nach wie vor eine Herangehensmöglichkeit, die aber aufgrund ihres zerstörenden Charakters (Ausschneiden von Papierstreifen) ausgeschlossen werden muss.

Eigenschaften der Ränder

Eines der interessantesten Merkmale ist die Morphologie der Banknotenränder. Verschiedene Quellen führen an, dass die echten Banknoten auf Bögen mit doppeltem Nutzen und die Fälschungen auf Bögen zu acht Scheinen hergestellt wurden – was zu unterschiedlichen Charakteristika bei den Rändern der einzelnen Banknote führt. Der Bericht von Sém führt an, dass die Papierstärke an den Rändern der gefälschten Banknoten nicht gleichmässig abnimmt, was eher für das Reissen mit einem Lineal als für einen natürlichen Büttenrand sprechen würde. Der handgemachte ‹Büttenrand› wurde bei den Fälschungen also vermutlich durch das Reissen an einer Linealkante imitiert. Auch Bower diskutiert mögliche Strukturen an den Papierrändern echter und gefälschter Banknoten (REF). Leider ist ein Grossteil der Banknoten nicht einwandfrei erhalten, sei es infolge von Manipulationen, des Umlaufs, häufig gefalteter Kanten oder aufgrund der Einwirkungen des Seewassers, in dem sie über Dutzende von Jahren lagen, sodass es meist nur eingeschränkt möglich ist, dieses Kriterium bei der Untersuchung auszuwerten.

Wasserzeichen

Das Wasserzeichen gehört zu den interessantesten Teilen der Banknote, und seine Analyse ist am erfolgversprechendsten. Schon in seinem ersten Untersuchungsbericht schrieb Sém, dass «das Wasser­zeichen im Fall der Fälschungen deutlicher» zu erkennen sei. Auch andere Autoren suchten nach Unterschieden im Wasserzeichen zwischen Fälschungen und Originalen, sowohl auf einer allgemeinen Ebene (Kontrast) wie in Details (insbesondere bei der Kreuzung der Wasserzeichenlinien mit den Textlinien). Zusammen mit den Informationen, die sich freigegebenen Fotografien aus amerikanischen Archiven entnehmen lassen – dort befinden sich ungefähr 80 von amerikanischen Soldaten in Deutschland aufgegriffene Fotografien, welche die verschiedenen Stufen der Banknotenproduktion aufzeigen, von der Fertigung der gefälschten Wasserzeichen bis zum Ritzen der Platten – scheint die Untersuchung des Wasserzeichens der aussichtsreichste Ansatz zur Bestimmung der Blüten, der der Forschung heute zur Verfügung steht.

Abb. 2. Höchstwahrscheinlich die Vorbereitungsphase von falschen Wasserzeichen. Foto: National Archives United States of America (NARA).

Abb. 3. Illustration des Wasserzeichens auf einer 5-Pfund-Note. Unter den freigegebenen Dokumenten befinden sich viele Fotografien, die die Herstellung der Blüten veranschaulichen. Foto: NARA

Abb. 4. Wachsvorlagen für Wasserzeichen. Foto: NARA

Wasserzeichennummer

Das Wasserzeichen enthält in seinem mittleren Teil vier Ziffern – die ersten zwei geben die Kalenderwoche, die dritte und vierte das Jahr der Papierherstellung an. Es ist logisch, dass bei einem Papier mit der Wasserzeichennummer 0837, das also – unter der Voraussetzung, dass es sich um eine echte Banknote handelt – in der achten Woche des Jahres 1937 hergestellt wurde, der Druck nach diesem Datum erfolgt sein muss. Die Banknoten der Operation Bernhard wurden in den Jahren 1942 bis 1945 hergestellt. Sie wurden jedoch vordatiert und mit Daten aus den Jahren 1932 bis 1938 versehen. Burger erwähnt, dass es vorkam, dass bei der Zuordnung der Papiere Fehler passierten und Fälschungen durch die Datierung des Drucks mithin vorgaben, gedruckt worden zu sein, bevor ihr Papier produziert wurde. Eine solche Unstimmigkeit ist bei echten Banknoten unmöglich und belegt eindeutig, dass es sich um eine Fälschung handelt. Die Anzahl von Banknoten mit diesem Merkmal ist jedoch nicht bekannt.

Perforation

Abb. 5. Perforationen einer 5-Pfund-Note im Bereich der Britannia. Kann diese Information allein schon beweisen, dass die Banknote eine Fälschung ist, wie dies zum Beispiel Burger behauptet? Foto: NARA

Die Perforation der gefälschten Banknoten war Teil der «Zirkulationsnachahmung» – also eine Modifizierung, die den Anschein erwecken sollte, dass die Banknoten nicht neu, sondern schon länger im Umlauf seien. Der genaue Zweck der Perforation ist nicht bekannt. Sie wurde erstmals und ohne weitere Einzelheiten in dem Buch von Burger (1945) erwähnt. Der Untersuchungsbericht der tschechischen Polizei (Sém 1981) führt an, dass Unregelmässigkeiten in der Durchsicht des Papiers durch Perforationen verdeckt werden sollten. In späteren Büchern behauptet Burger, die Perforation im oberen linken Teil der Britannia sei in der Absicht geschehen, versteckte Botschaften zu übermitteln und die eigenen Fälschungen zu kennzeichnen. (Burger 1991 sowie im persönlichen Gespräch 2010). Andere Quellen sagen, dass die Perforationen Druckfehler im Bereich der Britannia verdecken sollten. Auch wenn wir manchmal, wie in Abb. 5, auf Banknoten, die Sammler als Fälschungen betrachten, zahlreiche Perforationen erkennen können, kann dieses Kriterium nicht als eindeutiges Bestimmungsmerkmal für Fälschungen ansehen werden – allein schon deswegen nicht, da es Ziel der Perforationen war, den Brauch von Bankbeamten und der Bevölkerung nachzuahmen, die Banknoten mit Stecknadeln zu bündeln.

Analyse des Papiers mittels physikalischer und chemischer Methoden

Viele Quellen bestätigen, dass das Papier für die Fälschungen eine sehr gute Imitation war und dass es in der Materialzusammensetzung dem der Originalbanknoten sehr nahe kam. Die Untersuchung des Papiers basiert im Wesentlichen auf zwei Verfahren: auf der mikroskopischen Analyse der Faserzusammensetzung und auf chemischen Analysen. Die Faserbestimmung, wie sie auch in der Papierindustrie vorgenommen wird, ist ein zerstörendes Verfahren, auch wenn die dazu benötigte Materialprobe minimal und am Objekt kaum wahrnehmbar ist. Die Faserbestimmung basiert auf der Entnahme einer Probe, die mit chemischen Reagenzien eingefärbt und unter dem Mikroskop betrachtet wird. Die vorläufigen Prüfungsergebnisse (basierend nur auf zerstörungsfreien Methoden) sowohl von Banknoten, die Sammler als echt bezeichnen, wie auch von als solchen klassifizierten Fälschungen zeigen auf, dass die Zusammensetzung in beiden Fällen sehr ähnlich ist. Eine vollständige chemische Analyse stösst auf die gleichen Schwierigkeiten wie die Analyse von Tinten und Papierfasern: Sie ist von destruktiver Natur und konnte aus diesem Grund nicht durchgeführt werden.

Abb. 6. Reissen und manuelle Korrektur der Druckplatten. Foto: NARA

Druck

Die Merkmale des Drucks wurden bisher intensiver untersucht als diejenigen des Papiers. Bis auf wenige Ausnahmen basieren diesbezügliche Studien auf dem Buch von Burke. Einige der Aussagen sind dabei als selbstverständlich, als zur Allgemeinbildung gehörend und daher ohne Literaturnachweise dargestellt, sodass man nicht mehr unterscheiden kann, ob diese Aussagen auf eigenen Erfahrungen beruhen oder ob sie aus anderen Arbeiten übernommen wurden.

Druckfehler und Druckqualität

Sém führt an, dass die Fälschungen allgemein eine schlechtere Qualität auswiesen und im Druckbild nicht so scharf seien. Dies sagen auch andere Forscher, doch basieren diese Bemerkungen auf einem blossen Empfinden, und Subjektivität ist ein problematisches Kriterium. Unregelmässigkeiten und Schwankungen gibt es in allen Druckprozessen – auch bei den Originalnoten. Im optimalen Fall wäre die Qualität eines Druckprozesses der einen Kategorie (z.B. bei den echten Banknoten) annähernd konstant, bei der anderen Kategorie (z.B. den gefälschten Banknoten) hingegen sehr unterschiedlich. Viele Faktoren – etwa die Anzahl der verwendeten Druckplatten oder der von Hand gemachten Korrekturen, die Unterschiede in der Qualität und Quantität der Druckfarbe und insbesondere die Reinigung der Tiefdruckplatten während des Druckverfahrens – sind dafür verantwortlich, dass bei der Herstellung der Fälschungen die Abweichungen im Druck hoch waren (das führte dazu, dass die Produktion in Sachsen­hausen nach Qualitäten sortiert werden musste, von den besten Banknoten zum Bezahlen der eigenen Agenten bis hin zu den schlechtesten, die zurück in die Hahnemühle zur Wiederverwertung gebracht wurden).

Druckplatten

Druckplatten und Nummerierungsgeräte wurden bei verschiedenen Gelegenheiten in der Umgebung des Toplitzsees gefunden. Einige von ihnen befinden sich im Museum der Bank of England, einige in Privat- oder Museumssammlungen in ganz Europa (Burke 1987). Als vielversprechende Analysemethode erweist sich zurzeit der Bildvergleich von Druck­platten und Banknoten. Leider hinterliessen die letzten 70 Jahre ihre Spuren auf den Kupferplatten. Einige Platten weisen aufgrund ihres mehrere Jahreszehnte andauernden Aufenthalts im Toplitzsee eine erhebliche Korrosion auf. Darüber hinaus wurden einige Platten mit aggressiven Methoden (mechanisch wie chemisch) gereinigt, was zuweilen dazu geführt hat, dass die interessantesten Details, vor allem im Bereich der Britannia, heute nicht mehr zu erkennen sind. In der Toplitzsee-Region sind auch Platten aufgetaucht, die nachträglich gefertigt wurden, und zwar durch Reproduktion gefundener Platten – diese «Fälschungen der Fälschungen» behindern die Forschungsarbeit zusätzlich.

Abb. 7. Druckplatte für die 5-Pfund-Note. Foto: NARA

Physikalische und chemische Eigenschaften der Druckfarben

Weil die zum Druck benutzte Farbe der echten wie auch der gefälschten Banknoten vom gleichen Hersteller stammte, dürfte ihre Analyse schon vor dem Hintergrund einer Kosten-Nutzen-Rechnung wenig interessant sein. Darüber hinaus benötigt eine komplette Analyse Materialproben, die eine Teilzerstörung der Banknoten bedeuten würden. Die Zusammensetzung der Druckerschwärze war im Allgemeinen sehr einfach (Russ und Öl). Die Unterschiede in der Intensität der Druckfarbe und deren Diffusion im Papier, die manchmal zu braun-gelben Spuren führte, können nicht nur von der unterschiedlichen Qualität oder Quantität, sondern auch von den Lagerbedingungen der Banknote (Feuchtigkeit, Licht usw.) herrühren oder aber von den extremen Bedingungen, denen die Banknoten auf dem Boden des Toplitzsees für mehrere Jahrzehnte ausgesetzt waren.

Abb. 8. Zwei grössere und ein kleineres Nummerierungsgerät, mit denen verschiedene Codes zu den Seriennummern auf dem Falschgeld angebracht werden konnten.

Fazit

Natürlich erwarten wir von der Echtheitsprüfung einer Banknote eine eindeutige Bestimmung: «echt» oder «gefälscht», so wie wir es gewöhnt sind, Informationen im Binärmodus zu verarbeiten, als schwarz oder weiss, ja oder nein, an oder aus, 1 oder 0.

In vielen Fällen der Banknoten-Untersuchung ist dies möglich – zum Beispiel, wenn eine Banknote in einem Arbeitsverfahren hergestellt wurde, das für den Druck der echten Banknoten nicht angewendet wurde. Wenn heute jemand versuchen sollte, eine britische Pfundnote aus dem Jahre 1930 mit einem Tintenstrahldrucker zu fälschen, so wäre mit einem einfachen Blick durch die Lupe zu erkennen, dass es sich um eine Fälschung handelt.  Und die eindeutige Identifizierung als Fälschung wäre allein schon aufgrund der Tatsache möglich, dass dieses Druckverfahren mit der auf der Banknote angegebenen Herstellungszeit unvereinbar ist.

Die Fälschungen der Operation Bernhard sind ein typisches Beispiel qualitativ hochwertiger Fälschungen. Die Probleme, die bei der Echtheitsbestimmung auftauchen, sind allgemeiner Natur; die ermittelten Lösungsansätze und Untersuchungsmethoden können auf jede Analyse historischer Banknoten übertragen werden. Das Herstellungsverfahren im Fall der echten Banknoten war aus heutiger Sicht nicht kompliziert und unterschied sich nicht prinzipiell von dem bei den Fälschungen angewandten Verfahren. Die Fälscher verbrachten Jahre mit der Vorbereitung, mit der Entwicklung eines geeigneten Papiers, aber auch mit Nachbesserungen kleinster Abweichungen der gefälschten von den echten Banknoten. Die Tatsache, dass viele Herstellungsdetails (sowohl der echten wie auch der gefälschten Banknoten) nicht bekannt sind, verursacht enorme Probleme bei deren Unterscheidung. Das Fehlen von ausreichend Banknotenmustern, die nachweislich von der Bank of England ausgegeben wurden und als Referenzbanknoten bei einem Vergleich mit Banknoten unbekannten Ursprungs dienen könnten, beschränkt zudem die Möglichkeiten der Analyse – selbst unter Einsatz modernster Geräte. Die Subjektivität bei der Analyse und die Vergleichbarkeit der Untersuchungen, bei denen verschiedene Personen verschiedenste Kriterien anführen, verkompliziert die eindeutige Bestimmung.

Die gegenwärtige Forschung konzentriert sich auf eine ausführliche Analyse der Banknoten unter Anwendung nicht-destruktiver Methoden. Im ersten Teil unseres Beitrags (sph-Kontakte 100, S. 1–7) ging es um eine Auswertung der historischen Materialien (wie der im Laufe der Geldfälschungsaktion aufgenommenen und erst vor Kurzem publizierten Fotografien und technischen Beschreibungen) sowie als Gegenprobe um einer Verifizierung durch Personen, die über Spezialkenntnisse im Bereich von Papierherstellung, Design, Drucktechniken und Wertzeichen verfügen, sowie durch Personen, die an der Operation Bernhard selber teilgenommen haben. Leider ist dieser Lauf gegen die Zeit nicht einfach, denn noch immer sind einige Archivbestände unzugänglich, und von den am Fälschungskommando beteiligten Fälschern leben nur noch zwei. Die vorliegende Arbeit zeigt auch die Bedeutung von Gruppen auf, die wie die Schweizer Papierhistoriker, die British Association of Paper Historians, die International Paper Historians oder die International Banknotes Society einzigartige Plattformen für Diskussionen und Informationsaustausch sind. Die Mehrheit der Amateur- und Fachkreise hält diese Fragestellungen für veraltet und uninteressant angesichts heutiger Papierproduktions- und Druckverfahren.

Sammler müssen sich damit abfinden, dass es in einigen Untersuchungsfällen (Fehlen von Referenzbanknoten, Unmöglichkeit, destruktive Methoden anzuwenden, usw.) nicht möglich ist, einen eindeutigen Schluss auf der Ebene «Fälschung oder Original» zu ziehen. Gleichwohl können Betrachtungen den einen oder anderen Schluss unterstützen, allerdings eher auf der Ebene der Wahrscheinlichkeit. Sind sie bereit, diese Schlüsse zu akzeptieren?