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28 000 weitere Wasserzeichen ins World Wide Web

von Nana Badenberg

sph-Kontakte Nr. 95 | August 2012

Die deutsche Forschungsgemeinschaft verlängert ihre Förderung des Wasserzeichen-Informationssystems

Bereits Anfang 2010 hat es sich die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Anliegen gemacht, die bislang dezentral entstandenen Sammlungen mittelalterlicher Papiere mit ihren umfangreichen und für Datierung und Einordnung der Handschriften wie auch für die Wasserzeichenforschung als solche höchst aufschlussreichen filigranen Funden zusammenzuführen und einer breiteren Öffentlichkeit von Wissenschaftlern wie Amateuren zugänglich zu machen. Entstanden primär aus den Beständen DFG-geförderter Projekte an verschiedenen deutschen Handschriftenzentren, weitete sich das sehr sachlich als Wasserzeichen-Informationssystem (WZIS) bezeichnete Projekt schnell aus – denn je umfangreicher die Bestände verfügbaren Vergleichsmaterials, desto grösser der Nutzen der Wasserzeichensammlung.

Beteiligt waren am WZIS bislang das Landesarchiv Baden-Württemberg, die Württembergische Landes­bibliothek Stuttgart, die Universitätsbibliothek Leipzig und die Bayerische Staatsbibliothek München sowie die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die sich bereits im Rahmen des umfangreichen Bernstein­projekts federführend um die digitale Bestandsaufnahme von Wasserzeichensammlungen bemüht gemacht hat (www.memoryofpaper.eu). Dank der Verlängerung des DFG-Projekts kommen neue Kooperationspartner hinzu: Die Staatsbibliothek zu Berlin und die Deutsche Nationalbibliothek Leipzig werden in den nächsten zwei Jahren viele Wasserzeichen aus ihren Beständen in das digitale Informationssystem einspeisen. Hinzu kommen weitere reichhaltige Datenbanken: So ist der Piccard online (www.piccard-online.de) mit seinen über 90 000 digitaisierten Wasserzeichen bereits in das WZIS integriert, und auch die Datenbank der Sammlung Wasserzeichen des Mittelalters (WZMA: www.oeaw.ac.at/ksbm/wz/wzma2.htm) ist verlinkt. Insgesamt stammen die Wasserzeichen naturgemäss von vornehmlich deutschen Fundorten, diese freilich reichen von Altdorf bis Zerbst. Hinzu kommen Bestände aus Belgien, Estland, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Österreich und Schweden. Die Schweiz ist lediglich mit Wasserzeichen aus den Staatsarchiven Basel, Bern und Solothurn vertreten.

Je mehr Datenbanken integriert bzw. verlinkt werden sollen – und nur durch solchen auch quantitativ starken Umfang erweist sich ja die Qualität und der Nutzen des Systems –, desto wichtiger ist der universelle Zugriff, sowohl was die Erfassung der Wasserzeichen wie auch was die Abfragemöglichkeiten anbelangt. Das WZIS erfindet dankenswerter Weise das Mühlrad der Bestimmung nicht neu, sondern greift für die Dateneingabe den Watermark Toolkit des Bernsteinprojekts zurück. Und auch die Präsentation der Wasserzeichen orientiert sich an bestehenden Darstellungsmodi, in erster Linie denen des Piccard-Online, aber auch denen des Bernsteinprojekts. Dabei werden über die Pflichtfelder Richtlinien für die Erfassung festgelegt und aufgrund der hierarisierenden klassifikatorischen Vorgaben Zuschreibungen vorgenommen. Dankenswerter Weise ist – wie schon bei Piccard Online und Bernstein auch hier eine Abfrage entlang figurativ wiedergegebener Motive möglich, denn sonst mag es zuweilen schwierig werden, die rechten Begrifflichkeiten zu finden. So denkt nicht jeder, der ein Motiv sucht, das ihn an klassische Fortunadarstellungen gemahnt, dass er oder sie als Beschreibung die Zeichenkette „Mann mit Fahne“ eingeben könnte. Und nur dann ginge die rein verbale Suche (wie auch schon im Fall des Bernsteinprojekts) glücklich aus. Vielleicht deshalb findet sich unter diesem Bild (im Gegensatz zum Piccard) auch kein Eintrag. Erfreulich sind dagegen die anwenderfreundlichen Funktionen, die es nicht nur erlauben, das jeweilige Zeichen flink auszudrucken, sondern es auch mit einem Gitter zu unterlegen und nach Belieben zu spiegeln – eine für die Bestimmung unschätzbar nützliche Anwendung. Zudem lassen sich die Wasserzeichen nach den Beschreiborten der Papiere auch kartographisch regelrecht verorten.

Indem das WZIS den Aufbau und die Verwaltung unterschiedlicher digitaler Wasserzeichensammlungen ebenso standardisiert wie den Zugriff auf diese, setzt das Projekt auch die Standards für eine zukünftige Wasserzeichenforschung. Im Anschluss an den Zugriff und die Eingabe, die das Bernsteinprojekt entwickelt hat, wird hier ebenfalls eine eher schlanke und übersichtliche Form der Unterscheidungskriterien gewählt. Dies mag zuweilen auf Kosten der Präzision gehen, doch erlaubt es einen schnellen, einfachen Zugriff.

In den vergangenen beiden Jahren wurden bereits 10 000 Wasserzeichen aus den Beständen in Stuttgart, Leipzig und München neu in das Wasserzeichen-Informationssystem eingegeben, mindestens weitere 28 000 Filigrane sollen in den nächsten zwei Jahren noch hinzukommen. Einen weiteren und wichtigen qualitativen Sprung dürfte das WZIS machen, wenn es ihm gelingt, wie angekündigt, für ein einzelnes Wasserzeichen auch die Hinterlegung mehrerer Digitalisate zuzulassen. Dann erst werden über verschiedene Ansichten, vor allem aber über die Einbeziehung von Kontermarken neue Dimensionen der digitalen Wasserzeichenforschung eröffnet.

Bleibt zu hoffen, dass nicht nur eifrig weitere Wasserzeichen eingepflegt werden, sondern das Informationssystem auch rege genutzt wird.

Information und Zugang über die Projekthomepage: http://www.wasserzeichen-online.de/